STUDIUM

DEX Design, materielle Kultur und experimentelle Praxis (Unterrichtsfach Technisches und textiles Werken / zukünftig: Technik & Design)
(Die künstlerische/technologische Lehre des DEX Studiums wird von den Abteilungen DAE und TEX gebildet)

Um den Aufbau des Lehramtsstudiums und seine Komplexität besser verstehen und einordnen zu können, muss vorausgeschickt werden, dass für jedes Lehramtsstudium in Österreich gemäß UG2002 die Kombination von zwei Unterrichtsfächern vorgeschrieben ist. Diese können entweder an ein und derselben Universität oder an verschiedenen österreichischen Universitäten studiert werden (allerdings muss es sich immer um ein ausgewiesenes Lehramtsstudienfach handeln).

An der Angewandten stehen die Studienfächer zur Wahl:
DEX Design, materielle Kultur und experimentelle Praxis (Unterrichtsfach Technisches und textiles Werken)
KKP Kunst und kommunikative Praxis (Unterrichtsfach Bildnerische Erziehung)

Alle Studienfächer an Universitäten werden organisatorisch eigenständig geführt. Die Studierenden müssen im Studienalltag ihren Arbeitsplan so zu gestalten vermögen, dass sie letztendlich beiden Studienfächern und den damit verbundenen Anforderungen gerecht werden. Dies verlangt eine gewisse organisatorische Kompetenz und Strukturiertheit, die durchaus auch herausfordernd erlebt wird, zumal die pädagogische und bildungswissenschaftliche Theorie und Praxis an der Universität Wien zu absolvieren ist.

Betrachtet man die Studienarchitektur etwas näher, so ist zu erkennen, dass im Bachelor- wie Masterstudium vier Säulen zusammenwirken. Diese Säulenarchitektur gilt in Österreich für alle Lehramtsstudien. Im Konzept der Angewandten wird als fünftes Element die gemeinsame Reflexion, also die ständige Bewegung zwischen den Säulen bzw. der dadurch entstehende Resonanzraum mitgedacht.

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SÄULE 1 Fachwissenschaft – künstlerische und technologische Praxis, Kunst- und Kulturwissenschaften, (die Zusammenlegung von Kunst und Wissenschaft in einer Säule
unter dem Titel Fachwissenschaft wurde vom Ministerium vorgenommen); 
Zuständigkeit Kunst: Abt. DAE | KKP | TEX
Zuständigkeit Wissenschaft: Abt. Kunstgeschichte, Design- und Architekturgeschichte, Abt. Kunsttheorie, Medientheorie, Designtheorie, Abt. Kunst- und Kulturwissenschaften, Abt. Philosophie, Abt. Transkulturelle Studien, Abt. Expanded Museum Studies, Abt. Kunst- und Wissenstransfer etc.
SÄULE 2 fachdidaktische Theorie und Praxis; Zuständigkeit: Abt. Fachdidaktik
SÄULE 3 pädagogische und bildungswissenschaftliche Theorie und Praxis; Zuständigkeit: Universität Wien
SÄULE 4 schulpraktische Ausbildung; Zuständigkeit: Abt. Fachdidaktik

SÄULE 1, SÄULE 2 und SÄULE 4 sind speziell durch das Unterrichtsfach definiert und werden von den Studierenden in jedem Fach separat absolviert. Die Lehrveranstaltungen der SÄULE 3 werden unabhängig von den verschiedenen Unterrichtsfächern zur Gänze von der Universität Wien angeboten, mit der dafür bereits seit vielen Jahren eine entsprechende Kooperation besteht. Die Verantwortlichkeit für die SÄULE 4 lag lange Zeit ebenfalls weitgehend bei der Universität Wien. Allerdings wurde sie 2020 an die Angewandte zurückgeben. Heute wird die schulpraktische Ausbildung vom Zentrum Didaktik organisatorisch betreut.

VORAUSSETZUNG ZUM STUDIUM
Die Zulassungsprüfung (sie ist für alle Studien an Kunstuniversitäten verpflichtend) wird durch das UG2002 (§58(4)) geregelt und ist im gegenwärtigen Lehramtscurriculum wie folgt beschrieben: „Eine Voraussetzung für die Zulassung zum Bachelorstudium ist das erfolgreiche Ablegen einer kommissionellen Zulassungsprüfung für das jeweilige Unterrichtsfach. Diese dient der Feststellung der künstlerischen Eignung und der Überprüfung der erforderlichen leistungsbezogenen, persönlichen, fachlichen und pädagogischen Kompetenzen.“... „Eine diesen Anforderungen entsprechende persönliche, pädagogische und fachlich-künstlerische Eignung der Bewerber*innen wird in einem entsprechend differenzierten Zulassungsverfahren geprüft. Dieses umfasst mündliche, schriftliche und gestalterische Anteile.“
Sprachkenntnis zum Studienbeginn an der Angewandten: Deutsch Level B2 (Durch die Autonomie der Universitäten kann es zu verschiedenen Sprachvoraussetzungen kommen. Die speziellen Voraussetzungen sind bitte an den Universitäten in Erfahrung zu bringen.)

Für die konkrete Umsetzung der Zulassungsprüfung bedeutet dies, dass neben dem gestalterischen / künstlerischen Prüfungsteil, den die künstlerischen Abteilungen Kunst und kommunikative Praxis (KKP), Design Architektur und Environment für Kunstpädagogik (DAE) und Textil – Freie, angewandte und experimentelle künstlerische Gestaltung (TEX) gemeinsam verantworten, je ein schriftlicher Prüfungsteil von Lehrenden der Kunst- und Kulturwissenschaften sowie vom Zentrum für Didaktik der Kunst und interdisziplinären Unterricht gestaltet wird. Die Kandidat*innen werden zu Interviews eingeladen, bei denen Kolleg*innen der verschiedenen Fachbereiche (siehe Säulen) und aller Kurien (also immer auch Studierende) in gemischten Teams zusammenwirken und unter Einbeziehung der vorgelegten persönlichen „Mappe“ mit den Kandidat*innen über Vorerfahrungen, Gestaltungspraxis, Motivation, Studienerwartungen, berufliche Interessen, Visionen guter Schule, Lehren und Lernen etc. sprechen. Die pädagogische Eignung der Kandidat*innen wird dabei unbedingt als Kriterium der Zulassung mitberücksichtigt. Auf Diversität und Chancenausgleich wird im Entscheidungsprozess bewusst geachtet. 

BACHELOR
Das Bachelorstudium Lehramt beträgt gemäß Universitätsgesetz 2002 240 ECTS, davon sind 40 ECTS den Bildungswissenschaften zugeteilt. Das heißt, der Anteil jedes Studienfachs beträgt 100 ECTS. Die an der Universität für angewandte Kunst im Bachelorstudium angebotenen Unterrichtsfächer sind unterteilt in drei aufeinander aufbauende Studienphasen:
GO-Phase	Grundlagen- und Orientierungsphase (30 ECTS)
FOR-Phase	Entwicklungsphase (55 ECTS)
IT-Phase	Intensivierungsphase; Studienabschlussphase (15 ECTS)


BILD: grafische Darstellung des Bachelor Curriculums mit den zwei Studienfächern. 

grün (hell, mittel dunkel) die künstlerischen Studienanteile,
blau (hell, dunkel) die wissenschaftlichen,
gelb (hell, dunkel) die fachdidaktischen,
türkis das Portfolio,
violett die Wahlfächer,
rot (hell, dunkel) die Projektseminare in Kunst und Wissenschaft, aus denen die Bachelorarbeiten entwickelt werden, und
grau die pädagogischen und bildungswissenschaftlichen Anteile.

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BILD: LEGENDE zur grafische Darstellungen

In dieser Darstellung steht für jeden im Curriculum vorgeschriebenen ECTS Punkt jeweils ein Kästchen. Die farbige Ausarbeitung ermöglicht einen Überblick über die Repräsentanz der „Säulen“ im Curriculum. Darüber wird zum Beispiel gut sichtbar, dass im Master-Curriculum (anders als im Bachelor-Curriculum) die künstlerisch-praktischen Anteile zugunsten der wissenschaftlichen Masterarbeit, der pädagogischen und bildungswissenschaftlichen Theorie und Praxis, der Schulpraxis und der Fachdidaktik stark zurücktreten.

Obwohl die curriculare Architektur (der Phasenaufbau in GO-FOR-IT) für die Studienfächer KKP und DEX ident ist, sind die Fächer im Aufbau der Lehrveranstaltungen der künstlerischen / technologischen Praxen (hinsichtlich der Methodik) unterschiedlich angelegt.
In beiden Fächern muss zu Beginn des Studiums die Lehrveranstaltung Unfallverhütung und Erste Hilfe absolviert werden. Sie beinhaltet einen Ersthelferkurs (16h) und Einführungen in die frei zugänglichen Werkstätten der Abteilungen, sodass dort ein selbständiges Arbeiten möglich wird. Die Werkstätten stellen im ganzen Studium und für alle Studienfächer einen wesentlichen Lernort dar. In ihrer Vielfalt ermöglichen sie nicht nur die Fertigung von unterschiedlichsten Objekten und Artefakten, sondern vermitteln differenzierte Material- und Werkzeugkenntnisse, handwerkliche Fertigkeiten und die gute Organisation von Arbeitsprozessen. Der konkreten künstlerischen Werkstatt- und Studioarbeit wird im Lehramtsstudium möglichst viel Raum gegeben. An ihr schätzen die Studierenden nicht zuletzt auch die gemeinsame Arbeitssituation, die viel Austausch untereinander ermöglicht.

Allgemein lässt sich zum Ablauf des Studiums sagen, dass sich für die Studierenden nach der DEX GO-Phase (erstes Studienjahr), die stärker vorstrukturiert ist, einführenden Charakter hat und den Studierenden Überblick verschaffen möchte (sowohl über die verschiedenen medialen Felder und diversen Praxisformen, die das Studium ihnen anbietet, wie auch über die Ressourcen des Hauses – wie z.B. die zentralen Werkstätten, das äußerst vielfältige Angebot an Gastvortragenden und Veranstaltungen, die internationalen Partnerschaften und Projekte), im zweiten und dritten Studienabschnitt viele Wahlmöglichkeiten auftun, die jedem / jeder einen individuellen eigenverantwortlichen Studienpfad zwischen Vielfalt und Fokussierung ermöglichen.

Das Studium wurde im Studienjahr 2017/18 eingerichtet; Grund hierfür war die verpflichtende Zusammenlegung der Schulfächer Technisches Werken und Textiles Gestalten in der Sekundarstufe 1. Statt – wie von der Politik vorgeschlagen – die simple Zusammenlegung zweier Fächer vorzunehmen, entwickelte die Angewandte ein Konzept für ein neues Studien- und Unterrichtsfach. Der Designprozess und der Innovationsgedanke stehen dabei im Vordergrund – das „Tradierte“ wurde verabschiedet. Materielle Kultur mit ihren diversen Facetten und Entwicklungen ist Trägerin des neuen Studiums. 

Die verschiedenen Werkstoffe, Strukturbildungen und technischen Bearbeitungen werden nicht separat gedacht, sondern greifen ineinander bzw. werden durch ein Herangehen mit interdisziplinären Fragestellungen sowie im künstlerisch forschenden und experimentellen Designprozess als ein Bereich verstanden. Es werden zwar material- und technologiespezifische Lehrveranstaltungen angeboten, diese jedoch immer in Bezug auf das Gesamtkonzept, die Inhalte und Herangehensweisen des neuen Faches aufgefasst. Soziokulturelle und ökologische Inhalte sind wesentliche Bestandteile im Bereich des experimentellen Entwickelns und Erfindens.
Dieser Ansatz findet sich inzwischen nicht nur im DEX Studium wieder. Die progressive Haltung der Angewandten in Hinblick auf eine neue Profilierung des Fachs wurde auch im neuen Schullehrplan für die Sekundarstufe (für Technik und Design) übernommen. Dieser wird im Schuljahr 2022/23 in Kraft treten.

Die Lehrveranstaltung WERK_LABOR ist der elementare Teil der GO Phase (siehe Curriculum) und begleitet die Studierenden im ersten Studienjahr. Es ist insofern Basis und Herzstück des DEX Studiums, als es gleich am Beginn des Studiums innovative methodische Zugänge in der Lehre, eine neue inhaltliche Ausrichtung des Faches und die damit verknüpfte neue räumliche Organisation der Studioarbeit den Studierenden nahebringt und als Denk- und Arbeitsweise implementiert.
Nicht ein Produkt oder ein Artefakt stehen im Vordergrund des WERK_LABORs, sondern der Zugang zur Experimentierfreudigkeit wird eröffnet – ein nicht linearer Weg soll zur Problemlösung entwickelt werden. Fundament des Studiums sind gestalterische und künstlerische Praxen. Diese künstlerisch- praktischen Herangehensweisen und Denk- und Handlungsformen werden im Studium mit wissenschaftlichen Methoden verknüpft – wobei Aspekte des kulturellen Handelns fokussiert werden (siehe Curriculum Lehramt § 1. Praxisfeld Präambel).
Das Verständnis von Design, materieller Kultur und Technik, welches dem WERK_LABOR zu Grunde liegt, wurde bereits zuvor in einem Auszug aus dem Curriculum zitiert. Neben einem fundierten Lehrangebot in den Wissenschaften bildet das WERK_LABOR die Basis der Fachwissenschaft. Dabei versteht sich das WERK_LABOR einerseits als Ort des Tuns, andererseits als offene Struktur einer projekt-basierenden Pädagogik. Schon vom Beginn des Studiums will das WERK_LABOR einen freien Zugang zu Wissen | Material | Technologien bieten, aber auch einen Diskussionsraum zu Fragen der bildenden Kunst und zu prozessorientiertem Lernen im Bereich Technik öffnen. Die verschiedenen Technologien und die Herangehensweisen der Entwicklung von Projektarbeiten werden im WERK_LABOR entlang eines Jahresthemas eingeführt. Dieses bildet die verbindliche Grundlage für den experimentellen Designprozess, aber auch für den gemeinsamen Raum der Kommunikation und Auseinandersetzung.

Aufbauend auf den Erfahrungen des ersten Studienjahrs entscheiden die Studierenden in den weiteren Semestern über individuelle Schwerpunktsetzungen und wählen ihre künstlerischen Seminare aus einem breiten Angebot, welches ihnen verschiedene mediale, technische und materialkundliche Zugänge bietet und sie in unterschiedliche Praxisformen einführt. Die Lehrveranstaltungen sind im Sinne des Studienprofils „auf den Erwerb all jener kognitiven, aktionalen und evaluativen Fähigkeiten ausgerichtet, die eine strukturierte, zweckgebundene, freie und experimentelle Praxis im Zusammenwirken von Materialkultur, Technik, Design und Gesellschaft ermöglichen. Im Zentrum dieser Praxen, die auf Reflexions- und Kritikfähigkeit aufbauen und vom Anspruch auf Nachhaltigkeit getragen sind, steht das Verhältnis von Mensch und Artefakt, eingebettet in umgebende Systeme und Environments. Vermittelt werden technologische, materialspezifische und analoge wie digitale mediale Grundlagen, die Einsicht in Konstruktionsprinzipien und systemische Bedingtheiten, die Einschätzung von Wirkung und Verhältnismäßigkeit sowie das Erkennen von Entwicklungspotenzialen.“
Aus diesen Lehrveranstaltungen entstehen individuelle und kollektive Projektarbeiten und schließlich die Bachelor-Arbeit, die als studienabschließende Arbeit die erworbenen Fähigkeiten bündelt und vertieft anwendet.

MASTER
Das Masterstudium (im Umfang von 90 ECTS (3 Semester) + 30 ECTS (1 optionales Zusatzsemester mit frei wählbarem Schwerpunkt)) ist schließlich so angelegt, dass der Fokus auf die konkrete Unterrichtsarbeit besonders unterstützt wird. Erfahrungsgemäß tritt in dieser Phase die Beschäftigung mit fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Themen gegenüber kunst- und kulturwissenschaftlichen bzw. künstlerischen Themen in den Vordergrund. Das lässt sich zumindest aus der inhaltlichen Ausrichtung der bisherigen Masterarbeiten schließen.


BILD: grafische Darstellung des MASTER Curriculums mit den zwei Studienfächern. Die „Säulen“ sind farbig ausgewiesen:
grün (hell, mittel dunkel) die künstlerischen Studienanteile,
blau (hell, dunkel) die wissenschaftlichen,
gelb (hell, dunkel) die fachdidaktischen,
rot (hell, dunkel) die Masertarbeit, MA-Kolloquium und MA-Prüfungen
grau die pädagogischen und bildungswissenschaftlichen Anteile.

Extra ausgewiesen die §5(2) indivieduelle Erweiterung und §15(3) DEX Erweiterung.
türkis Konziption zum Master Erweiterung
rosa   LVs der intividuelle Erweiterung
hellgrün WERK_LABOR bzw. Unfallverhütung und Erste Hilfe
mittelgrün LVs künstlerische technologische Anteile

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